
Gebaut wurde die Villa 1902/03 durch den Architekten Gustav Hamann.
Bauherr war der Zigarrenfabrikant Heinrich Emmelius.
In einer Dokumentation „Stadterweiterung Gesamtanlage IX“ aus: Denkmaltopographie BRDeutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Universitätsstadt Gießen, Wiesbaden 1993, heißt es:
Villa Emmelius. Repräsentative, mehrgeschossige Villa des späten von Jugendstil beeinflussten Historismus.
Der gegenüber dem Straßenniveau stark angehobene, kompakte Bau wirkt in erster Linie durch die beiden barokal geschweiften, auf Fernwirkung berechnenden Giebel.
Helle, sorgfältig gearbeitete Sandsteinpartien ( rustizierter Sockel, zurückhaltend ornamentierte Fensterfassungen, omegaförmige Giebelkatuschen) unterstützen die noble Gesamterscheinung.
Besonders erwähnenswert ist die polygonale Wintergarten-Balkonkombination mit floral gestalteter Jugendstilbrüstung und filigraner Glasverdachung.
Zusammen mit dem alten Baumbestand bildet die Villa ein Kulturdenkmal aus künstlerischen und städtebaulichen Gründen.“
Zur Geschichte der Villa als KHG
Im Februar 1955 wurde in Gießen eine Niederlassung von Jesuitenpatres der Ostdeutschen Ordensprovinz gegründet. Im März 1957 übersiedelten sie in die Villa Emmelius. Bischof Albert Stohr gab der Villa als Diözesanbildungshaus den Namen „Kettelerhaus“, nach dem großen Mainzer Sozialbischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler.
Im Laufe des Jahres 1963 wurde die Ordensniederlassung der Jesuiten in Gießen vom Kettelerhaus in die Nordanlage verlegt, heute Pfarrei St. Albertus, und in den 90ziger Jahren als Jesuitenniederlassung aufgelöst.
Zur Geschichte der Studierendenseelsorge bzw. Hochschulpastoral an Universität und Fachhochschule
Im Mai 1925 wurde in Gießen eine eigene Studentenseelsorge eingerichtet.
Im Mai 2001 wurde das Jubläum gefeiert: 75 Jahre Studierendenseelsorge in Gießen.
Seit 1925 gab es neun Hochschulpfarrer:
| Dr. Johannes Franz Emmanuel Hemmes | 1925 – 1936 |
| Kaplan Karl Josef Deuster | 1936 – ? |
| Johannes Klever | 1952 – 1959 |
| Dr. Hermann Gantenberg | 1959 – 1969 |
| Paul Schmidt SJ | 1969 – 1973 |
| Karl-Heinz Fischer SJ |
1973 – 1977 |
| Dr. Klaus-Leo Klein | 1977 – 1987 |
| Hermann Heil | 1987 – 1997 |
| David Jochem Rühl |
1997 - 2006 |
| Siegfried Karl | seit 2006 |
Außerdem haben diese Mitarbeiter in der KHG Gießen Dienst getan:
| Diplom-Theolge | Harald | Gerstfeld | ||
| Diplom-Geograph | Dieter | Klein | ||
| Diakon | Frank | Wunderlich | bis 1990 | |
| Pastoralreferent | Christel | Schalk | 1990-1998 | |
| Pastoralreferent | Tobias | Hach | ab 1998 | |
| Pastoralreferent | Christian | Jeuck | bis 2008 | |
| Pastoralreferent | Guntram | König | 2008-2011 | |
| Sekretärinnen | ||||
| Frau | Marie | Lang | bis 1981 | |
| Frau | Silvia | Schmidt | 1981-1983? | |
| Frau | Brigitta | Gerhard | 1983-2000 | |
| Frau | Barbara | Trebisz | seit 2000 | |
| Reinigungskräfte | ||||
| Frau | Margl | bis 1978 | ||
| Frau | Helga | Schäfer | 1978-1998 | |
| Frau | Brunhilde | Ueding | seit 1998 |
Schließlich leisteten diese jungen Männer in der KHG Gießen ihren Zivildienst
| Thomas | George | |
| Udo | Kind | |
| Daniel | ||
| Lothar | von Laak | |
| Andreas | Flöck | |
| Stefan | Löbel | 1994-1995 |
| Peter | Piechota | 1997-1987 |
| Christof | Karworth | 1998-1999 |
| Jörg | Lengert | 1999-2000 |
| Jochen | Gast | 2000-2001 |
| Jan | Österlein | 2001-2002 |
| Jörn | Tschaschel | 2002-2003 |
| Arash | Rahimi-Iman | 2003-2004 |
| Mark | Stenzel | 2004-2005 |
| Lars | Schupp | 2005-2006 |
| Lukas | Hofmeister | 2006-2007 |
| Jan Peter | Einlott | 2007-2008 |
| Marc | Förster | 2008-2009 |
| Antonio | Sasso | 2009-2010 |
| Florian | Jehn | 2010-2011 |
Zur Person von Bischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (1811-1877)
1811 25.12. Geburt in Münster/ Westfalen
1824-29 Schulbesuch und Abitur in Münster
1829 Immatrikulation in Göttingen als Jura-Student
1833 Juristisches Examen in Münster
1834 Referendarexamen
1838 Ausstieg aus dem preußischen Staatsdienst aus Protest über die Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Freiherr zu Droste-Vischering wegen „staatsverräterischer Umtriebe“(Vorspiel zum späteren Kulturkampf Preußens gegen den Katholizismus)
1841 Beginn des Theologiestudiums in München
1844 Priesterweihe in Münster
1844-46 Kaplan in Beckum und Hopsten
1846-49 Pfarrer in Hopsten
1847 gewählter Abgeordneter der Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt / Main
1848 Niederlegung des Mandats, Ernennung zum Propst in St. Hedwig in Berlin
1850 15.3. Ernennung zum Bischof von Mainz - 25.7. Bischofweihe in Mainz
1864 „Die Arbeiterfrage und das Christentum“
1869 „Die Arbeiterbewegung und ihr Streben im Verhältnis zu Religion und Sittlichkeit“ (Predigt auf der Liebfrauenheide bei Seligenstadt); Referat vor der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda über die Arbeiterfrage; Teilnahme am 1.Vatikanischen Konzil in Rom
1871 März bis 1872 März Mitglied des Deutschen Reichtages in Berlin
1875 25jähriges Bischofjubiläum
1877 13.7. Tod in Burghausen - 18.7. Beisetzung in der Marienkapelle des Mainzer Domes
Seit seiner Zeit als Kaplan in Beckum widmete sich Wilhelm Emmanuel v. Ketteler besonders den sozialen Fragen. Auf seine Anregung und Vermittlung hin wurden Kinderheime und Krankenhäuser gebaut. Bildung sollte allen zugute kommen. Besonders der Arbeiterfrage nahm er sich an in zahlreichen Predigten und Schriften seit seiner Abgeordnetenzeit in Frankfurt. Gleich seinen Zeitgenossen Karl Marx und Friedrich Engels verurteilte Ketteler die Anhäufung des Kapitals zu Lasten der Arbeiter. Er regte die Bildung von Gewerkschaften an, um die Arbeiter vor der industriellen Ausbeutung zu schützen ( human vertretbare Arbeitszeiten bzw. gerechten Lohn ). Vor den Bischöfen in Fulda im September 1869 forderte er:
„Die Kirche muss das Interesse für den Arbeiterstand vornehmlich beim Clerus wecken. Vielfach interessiert sich derselbe weniger, weil er von der wirklichen Existenz und Größe und der drohenden Gefahr der sozialen Übelstände nicht überzeugt ist, das Wesen und die Ausdehnung der socialen Frage nicht durchschaut und über die Hilfsmittel im Unklaren ist. Die Arbeiterfrage darf daher bei der Ausbildung des Clerus in der Philosophie und in der Pastoral nicht mehr übergangen werden. Es wäre höchst wünschenswert, daß einzelne Geistliche zum Studium der Nationalökonomie veranlaßt würden, um einesteils die Arbeiterbedürfnisse und andernteils die Hilfsanstalten aus eigener Anschauung kennen zu lernen.“
Die Durchsetzung der Ziele durch Gewalt und Revolution lehnte Ketteler ab, ebenso den atheistischen Ansatz des Sozialismus.
Als Abgeordneter in Frankfurt und Berlin ging es ihm besonders um die Freiheit der Kirche gegenüber dem Preußischen Staat. Der Kulturkampf besonders zu Zeiten des Reichskanzlers Bismarcks steht für den Anspruch, die Kirche staatlich zu bevormunden und nationalen Interessen unterzuordnen. Beispiel: Pfarrer in Hessen konnten nur von der hessischen Landesregierung das Pfarramt übertragen bekommen. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes einer Pfarrgemeinde wurden ebenfalls von der hessischen Landesregierung eingesetzt.
Beim 1. Vatikanischen Konzil in Rom, auf dem das Infallibilitätsdogma ( Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen ) verabschiedet wurde, widerriet der Mainzer Bischof der Anregung der Unfehlbarkeitsfrage, gab aber gleichzeitig seinem Glauben an das künftige Dogma Ausdruck. Um nicht gegen die Abstimmungsvorlage stimmen zu müssen, reiste Bischof Ketteler mit einigen anderen Bischöfen vorzeitig ab.
| < Zurück | Weiter > |
|---|

